Eine wahre Kathedrale aus Modul-Gerüst

Reschke-Drexler_small
MA-RE Gerüstbau GmbH: Matthias Reschke (links) und Bauleiter Thomas Drexler.

In Berlin entsteht mit der neuen Vattenfall-Zentrale der wohl größte Holz-Hybrid-Bau Deutschlands

Mit dem Stadtquartier „Schöneberger Linse“ wird in Berlin-Tempelhof-Schöneberg ein seit vielen Jahren bereits geplantes Bauprojekt Wirklichkeit. In zentraler Lage entsteht dort, wo bis vor einigen Jahren nur Brachland zu finden war, eines der modernsten Büro- und Wohnviertel Europas. Eines der Highlights unter den zahlreichen Gebäuden stellt ohne Frage die zukünftige Vattenfall-Zentrale am Hildegard-Knef-Platz dar. Erbaut wird das siebengeschossige Bürogebäude für den Energieversorger mit einer Bruttogeschossfläche von 23.000 Quadratmetern in Holz-Hybrid-Bauweise vom Projektentwickler Edge Technologies. Herz des Gebäudes wird zweifellos das 1600 Quadratmeter große Atrium im Inneren, das nach Fertigstellung mittels einer „unterspannten Holzkonstruktion“ überdacht wird. Bevor jedoch die Arbeiten am Atrium beginnen konnten, mussten Gerüste her – jede Menge Gerüste.

Mit Matthias Reschke und seinem Team der MA-RE Gerüstbau GmbH bekamen erfahrene Gerüstbauer den Zuschlag für die Einrüstarbeiten, die allerdings nicht ganz alltägliche Anforderungen stellten. „Die vorbereitenden Planungen für diese Baustelle erstreckten sich bei uns über ein halbes Jahr“, erklärt Inhaber Matthias Reschke. „Wir haben hier allein 48.000 Kubikmeter MJ COMBI-Raumgerüst gestellt. Der gesamte Innenhof des geplanten Atriums wurde dafür genutzt. Dazu kamen außen 8500 Quadratmeter Fassadengerüst.“ Der Materialbedarf war also gigantisch. Doch dank der langjährigen engen Partnerschaft zum Gerüsthersteller MJ Gerüst im Sauerland stellte das kein Problem dar. Der große Materialvorrat am Produktionsstandort Plettenberg ermöglichte es, dass das benötigte Gerüst-Material just in time nach Berlin geliefert werden konnte.
Der enorme Materialbedarf konnte problemlos direkt ab Lager gedeckt werden.
So wurde im Januar 2021 damit begonnen, am Süd-Kreuz eine wahre Kathedrale aus Gerüstbauteilen zu errichten, deren Zweck es ist, die erforderlichen Arbeiten ganz oben an der Dachkonstruktion des Atriums zu ermöglichen. Denn dort im siebten Stockwerk schließt eine gewaltige Arbeitsplattform mit 1600 Quadratmetern Fläche die Gerüstkonstruktion ab, auf der Monteure und Maler sicher an den mächtigen Leimbindern arbeiten können, die das Atrium-Dach später tragen. „Das ist schon ein besonderes Projekt für uns“, erklärt Thomas Drexler, Bauleiter MA-RE Gerüstbau GmbH. „Hier mussten wir auch einen Statiker hinzuziehen, da berechnet werden musste, wie die auftretenden Lasten vernünftig in den Baugrund abgeleitet werden konnten.“ Highlights des Atriums werden künftig die großen Treppenanlagen sein, die nicht nur Stockwerke miteinander verbinden, sondern auch gegenüberliegende Gebäudeteile. Diese „Trees“, also Bäume, genannte Konstruktion wurde errichtet, nachdem das Raumgerüst schon aufgebaut war. „Wir mussten unser Gerüst diesen Baufortschritten immer wieder anpassen“, so Matthias Reschke. „Auch haben wir die Trees, die sich über 4 Ebenen bis hinauf auf 26 Meter Höhe strecken, jeweils mit eigenen Plateau-Gerüsten gesichert, damit auch dort gefahrlos weitergearbeitet werden konnte.“

Arbeitsplattform aus 4000 Stahlböden

Die Arbeitsplattform hoch oben im Dachbereich des Atriums besteht aus 4000 Stahlböden, auf denen OSB-Platten verlegt sind. Sie dient dank Drainageteppich und entsprechender Wasserableitung auch als Wetterschutzdach. Eine schützende Deckschicht aus Kunstrasen ermöglich den problemlosen Einsatz von Rollgerüsten für die Arbeiten am Atrium. Gut ein halbes Jahr Standzeit hatte die „Gerüst-Kathedrale“ am Hildegard-Knef-Platz, bis im Juni die Abrüstarbeiten begannen. Die neue Vattenfall-Zentrale gilt als der größte Holz-Hybrid-Bau Deutschlands, bei dem gut zwei Drittel weniger Beton verbraucht wurden, als bei konventioneller Bauweise. Gut 1200 Kiefernstämme wurden als Stützen, Deckenbalken, Fenster und Wandelemente verarbeitet. Fertigstellung ist im kommenden Jahr, dann ziehen dort über 2000 Mitarbeiter in ihre neuen Büros ein.

Die Baustelle im MJ-Ortstermin:

Erstellt am