Energie direkt vom Dach

Hochkarätige Photovoltaik-Anlage am neuen Standort in Betrieb genommen

Plettenberg. Alle reden von Klimawandel, von Nachhaltigkeit und von CO2-Einsparungen. Der heimische Hersteller von Gerüstsystemen und Kühlkörpern, die JUNIOR Gruppe, hat selbst die Initiative ergriffen und den eigenen ökologischen Fußabdruck deutlich verbessert. Genutzt wurde dazu das Dach der bis dato größten Produktionshalle auf Plettenberger Boden, auf der nun auf einer Fläche von 5.000 Quadratmetern Module zur Stromerzeugung installiert wurden.

Video: Sebastian Mark

Am Donnerstag drückten Geschäftsführer Gerhard Junior, Energiemanager Matthias Gillmann, Roman Bartl (Fa. Fronius) und Sparkassen-Vorstand Kai Hagen den symbolischen Knopf, um die größte zusammenhängende Photovoltaikanlage der Stadt in Betrieb zu nehmen. Die Anlage mit einem Investitionsvolumen von 425.000 Euro hat eine Leistung von 748 Kilowatt Peak und kann bis zu 750.000 Kilowattstunden Strom im Jahr erzeugen.

Weihten die PV-Anlage der Firma Junior ein (von links): Kai Hagen, Gerhard Junior, Roman Bartl und Matthias Gillmann. Foto: Georg Dickkopf

„Das Besondere daran ist, dass wir 80 bis 90 Prozent der erzeugten Energie direkt selbst nutzen“, erklärte Junior die Anlage, die in deutsch-österreichischer Produktion entstand und deren Finanzierung die Vereinigte Sparkasse übernahm. „Wir beliefern die Firma Fronius seit Jahren mit Kühlkörpern und jetzt haben wir unsere Kühlkörper wieder in der Wechselrichter-Anlage zurückbekommen“, freute sich der Geschäftsführer über die Zusammenarbeit mit dem Systemanbieter aus Pettenberg.

Seit dem 14. Oktober hat die Anlage fast 35.000 Kilowattstunden erzeugt. „Wir müssen jetzt den Energieverbrauch stärker verteilen, um auch den am Wochenende erzeugten Strom optimal zu nutzen“, erklärte Matthias Gillmann. So werde man die Stapler-Batterien am Wochenende laden, um eine bessere Lastverteilung zu erreichen. Überschüssiger Strom wird danach für rund 3 Cent pro Kilowattstunde ins öffentliche Netz eingespeist.

Über sein Smartphone ist Energiemanager Matthias Gillmann immer über die aktuell erzeugte Strommenge informiert. Foto: Georg Dickkopf

Theoretisch hätte die Anlage sogar noch ein wenig größer ausfallen können, doch die Bundesregierung erschwert dies gewissermaßen, denn bei einer Anlage mit einer installierten Leistung von mehr als 750 Kilowatt Peak muss man an einem aufwändigen Ausschreibungsverfahren teilnehmen und darf den Strom nicht für den Eigenbedarf nutzen. Bei diesem Ausschreibungsverfahren wird die Förderhöhe in einem Wettbewerb ermittelt. Ähnlich komplex ist das Verfahren für Windkraftanlagen.

In Plettenberg gibt es nach einer Auswertung der Landesregierung eine mögliche Leistung von 110 Megawatt Peak bei PV-Anlagen auf Dachflächen. Tatsächlich am Netz sind aber nur 215 Anlagen (in 2014 waren es 184) mit einer Leistung von 3 Megawatt Peak. Die Junior-Anlage erhöht diesen Wert nun um satte 25 Prozent auf 3,75 Megawatt Peak. Aber: Das Potential für Photovoltaikanlagen wird nun gerade einmal zu rund 3 Prozent ausgenutzt – einer der niedrigsten Werte in NRW. Neuenrade zum Beispiel liegt bei 7,1 Prozent.

Die riesige PV-Anlage auf dem Dach der Junior-Produktionshalle im Industriegebiet Osterloh-West produziert bis zu 750.000 Kilowattstunden Strom im Jahr. Foto: Sebastian Mark

FAKTEN ZUR PV-ANLAGE IM DETAIL
–  Dachfläche: rund 5.000 m²
–  Anzahl der Module: 2.268 Module
–  Wechselrichter: 21 Stück Fronius (Kunde bei Junior Kühlkörper)
–  Kosten für die Anlage: rund 425.000 Euro
–  Jährlicher Ertrag: rund 480.000 kWh
–  CO2-Ersparnis pro Jahr: rund 230 Tonnen
–  ungefähre Kostenersparnis pro Jahr: 76.000 Euro
–  ungefährer Stromverbrauch Osterloh: rund 2,5 Mio kWh
–  Nutzung des Stroms: größter Teil Eigenverbrauch, minimale Einspeisung bei Überschuss
–  Besonderheiten der Anlage: Ost-/Westausrichtung, dadurch höherer Eigenverbrauch über Früh- und Spätschicht
–  Ungefährer Verbrauch eines Schweißroboters: 5,5 kWh
–  Weitere Energiespar-Maßnahmen am Standort Osterloh: Heizungs-Unterstützung durch Abwärme-Rückgewinnung von Kompressoren und Produktionsanlagen

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